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Schutzbauwerke

Schutzbauwerke [3][4][6][7][8][10][12]

Schutzbauwerke sind bauliche Anlagen, die entsprechend ihrer örtlichen Lage, ihrer räumlichen und konstruktiven Anordnung zum Schutze der Bevölkerung und von Sachwerten geschaffen werden.
  • Außenbauwerke: unterirdische oder halbunterirdische Tiefbunker, Schutzzellen, Schutzstände
  • Grabenschutzbauwerke: offene Gräben, Deckungsgräben, Schutzgräben
  • Innenbauwerke: trümmersichere Schutzräume, ausgebaute Schutzkeller
  • Schutzstollen: Tief- und Hangstollen (bergmännischer Ausbau), Höhlen

Die Schutzkeller und Außenbauwerke gewähren einen relativ zuverlässigen Schutz vor der Atomwaffe. Dies wird dadurch erreicht, daß die tragenden Teile der Schutzkonstruktion, die den Wirkungen einer Atomdetonation unterliegen, eine genügende Festigkeit und Undurchlässigkeit aufweisen. Der Einbau von Druckwellendämpfern und Überdruckventilen verhindert das Eindringen der Druckwelle durch die Belüftungsanlage.

Die Standorte/Bauwerke sollen folgende Kriterien erfüllen:
  • Einzugsradius max. 200 m
  • Lage im Erdreich bzw. viele erdberührte Wände
  • außerhalb des Trümmerbereiches von Gebäuden (Außenbauwerke)
  • wenige und kleine (schnell abdichtbare) Bauwerksöffnungen
  • viele aussteifende Innen-/Querwände im Abstand von 2 bis 2,5 m
  • Aufteilung in Einzelräme zu je 50 bis 75 Personen
  • Massivdecke mit geringer Spannweite (Belastbarkeit 10-15 kN/m2 je nach Gebäudehöhe)
  • keine Zwischendecken, keine Hohlkörperdecken
  • Deckenunterkante max. 1 m über Geländeoberfläche
  • ungeputzte Wände und Decken mit hellem Anstrich
  • hohes Flächengewicht der Umfassungsbauteile (Strahlenschutz)
  • gasdichte Wanddurchführungen von Versorgungsleitungen
  • geringe Brandlasten
  • Wasser- und Energieversorgung
  • nicht im Grundwasser oder in Überschwemmungs-/Erdrutschgebieten
  • Abstand von mind. 100 m zu Anlagen mit gefährdendem Inhalt
  • Abstand von mind. 10 m zu Hochspannungsanlagen ab 10 kV
  • geringe Ausbaukosten bei großem Schutzumfang
  • bei Friedensnutzung kurzfristig zum Schutzbau komplettierbar

Die nutzbare Grundfläche eines Schutzbauwerkes umfasst alle Räume, die innerhalb des durch gasdichte Türen abgeschlossenen Bereiches liegen.

Trümmerschutzbauten Klasse T 2
  • Schutz vor Trümmern, Splittern, Restkernstrahlung, Kampfstoffen, Brandwirkungen
  • ununterbrochener Aufenthalt für mind. 6 Tage zu gewährleisten
  • ab 160 Schutzplätzen netzunabhängige Energie- und Wasserversorgung (mind. 2,5 l/Tag und Schutzplatz)
  • ab 200 Schutzplätzen mind. 2 räumlich entfernte Schutzraumzugänge (Belegungszeit max. 2-3 min)
  • 1/3 Liegeplätze (55 x 180 cm), 2/3 Sitzplätze (45 x 45 cm)
  • mind. 1 m2 Nutzfläche, 4 m3 Luftraum und 1,5 m3/h Zuluft je Schutzplatz
  • Filterventilationsanlage, ggf. mit Druckwellendämpfer
  • Netzersatzanlage
  • lichte Höhe über Bewegungsflächen mind. 2 m
  • je Zugang eine trümmersichere Schleuse (gasdichte Drucktür + gasdichte Tür), Mindestlänge 1,5 m (bis 40 Schutzplätze)
  • mind. zweifach horizontal/Vertikal abgewinkelter Zugang (je 90° Abwinkelung 10% verminderte Druckwellenwirkung)
  • Notausstieg oder zweiter Zugang, bei Schutzräumen in mehrgeschossigen Bauten Kriechgang außerhalb des
    Trümmerbereiches
  • mind. 20 cm Stahlbeton B 160 oder 37 cm Vollziegel-Mauerwerk MZ 150 in MG II oder MG III
Trümmerschutzbauten Klasse T 1 und Strahlenschutzbauten
  • Schutz vor Splittern, Restkernstrahlung und begrenzt vor Kampfstoffen
  • ununterbrochener Aufenthalt mind. 10 Stunden
  • Bauwerkszugang mit Gasschleuse
  • bei Lage an Außenwänden mit Erdanschüttung

Deckungs- und Schutzgräben
  • Aufenthalt für mind. 6 Tage zu gewährleisten
  • abgewinkelt: max. 3 Abschnitte für je 40 Personen
  • gerade: max. 80 Personen, gasdichte Drucktür in Bauwerksmitte
  • mind. 80 cm Erdüberdeckung für Splitter- und Strahlungssicherheit
  • gasdichte Türen
  • Belüftungseinrichtung

Rang- und Reihenfolge beim Ausbau von Schutzräumen
  • 1. Ausräumen und Reinigen der geplanten Räume, Sicherung der Energieversorgung
  • 2. Verschließen von Öffnungen in Außenwänden und Decke, z.B. Kellerfenster
  • 3. Bau der Schleuse, Herstellen der Schutzraumtüren
  • 4. Verstärkung der Außenwände und Decke durch Erdan-/Erdaufschüttung
  • 5. Abdichten von Schornsteinklappen, Fugen, etc.
  • 6. Abstützen der Decke, Herstellen eines Notauslasses
  • 7. Ausstattung mit Einrichtungsgegenständen, Lebenmitteln, Löschmitteln, etc.
  • 8. Entfernung leichtbrennbarer Stoffe aus der Umgebung

Der Bedarf an Schutzplätzen wird wie folgt ermittelt:
  • in Wohngebieten 100% der Bevölkerung, mind. 1 Schutzplatz je Wohnraum
  • in Betrieben die Zahl der Beschäftigten in der stärksten Schicht
  • in Kindereinrichtungen und Heimen 100% der Kapazität
  • in Schulen und Internaten 70% der Kapazität
  • in Hoch- und Fachschulen 60% der Kapazität
  • in Krankenhäusern innerhalb/außerhalb der Ballungsgebiete 30/100% der Bettenkapazität und 5/100% des Personals

Verhalten im Schutzraum
  • Ruhe bewahren und beruhigend auf andere Personen einwirken
  • Disziplin, Ordnung sowie gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme gewährleisten
  • Besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung gegenüber Geschädigten und älteren Personen walten lassen
  • Höchstmaß an Sauberkeit und Hygiene einhalten
  • Mit den Vorräten an Lebensmitteln und Trinkwasser sparsam umgehen
  • Im Schutzraum nicht unnötig umherlaufen, nicht rauchen, keine offenen Lichtquellen verwenden
  • Schutzraum nicht ohne Genehmigung verlassen
  • Alle Weisungen des Schutzraumverantwortlichen strikt befolgen

Schutzklassen

Die Schutzklassen (SK) wurden für zivile Schutzbauwerke zu Beginn der 60er Jahre vom Ministerium des Innern der DDR festgelegt und in den 80er Jahren neu definiert. Für militärische Spezialbauwerke erfolgte eine Klassifizierung um 1965.
Bestehende und neu zu errichtende Bauwerke wurden für folgende Lastfälle (LF) bemessen:
  • LF 1 - direkter Treffer durch konventionelle/betonbrechende Bomben und Raketen (Gegenmaßnahmen: große
    Wand- und Deckenstärken, hohe Betongüten und Bewehrungsdichten, auskragende Zerschellschicht)
  • LF 2 - Druckwelle bzw. Impuls einer Kernwaffendetonation (Gegenmaßnahmen: abgewinkelte Zugänge,
    schwingungsgedämpfte Einbauten, flexible Mediendurchführungen, EMP-Schutz)
  • LF 3 - chemische, biologische, radiologische und thermische Einwirkungen (Gegenmaßnahmen: vollständige
    Hermetisation mit Überdruckhaltung, Personenschleusen, Filtersysteme, Massekühler, autarke Energie- und
    Wasserversorgung)
Die SK S existierte auf dem Gebiet der DDR nur als Projekt (z.B. zylindrisches Schachtbauwerk). Stollenanlagen (UTA) ab 25 m Deckgebirge wurden formal in die SK C eingestuft, boten aber im LF 1 den Schutz der Klasse A. Der Schwachpunkt waren die Zufahrtstore mit nur SK D.
Durch die Modernisierung einiger in den 60er Jahren errichteten Bauwerke wurde eine höhere Schutzklasse erzielt.

Schutzklassen Nationale Volksarmee [1][2] (* Luft-Boden-Rakete)

Schutzklassen Ministerium des Innern [4][9][11]

Schutzklassen Zivilverteidigung / Deutsche Post [2][8]

Hermetisierung und Überdruckhaltung [3]

Die äußere Schutztür muß der Druckwelle standhalten und bildet den ersten Verschluß des Bauwerkes, die Innentür der Gasschleuse dagegen den zweiten. Sie ist in dem Fall erforderlich, wenn die äußere Drucktür ganz oder teilweise zerstört ist.
Sind die Öffnungen luftdicht abgeschlossen, dann wird mit Beginn des Einblasens von Außenluft in die Schutzanlage der Druck im Raum etwas höher sein als der äußere Luftdruck.
Dieser Überdruck verhindert das Eindringen von Kampf- und anderen schädlichen Stoffen durch die Poren des Materials der Umfassungskonstruktionen und durch eventuell vorhandene undichte Stellen.
Von der Höhe des erreichbaren Überdrucks innerhalb einer bestimmten Zeit läßt sich die Qualität des luftdichten Abschlusses ableiten. Das luftdichte Abschließen ist gewährleistet, wenn bei der Hälfte des Luftaustausches der Überdruck 5 mm Wassersäule (WS) erreicht.

Die Schutzanlagen sind ständig zu warten und es ist auf die Erhaltung des luftdichten Abschlusses zu achten. Undichte Stellen sind sofort zu schließen.
Der erreichbare Überdruck wird mit Überdruckmessern ermittelt. Die einfachste Art des Überdruckmessers ist das Schrägrohr-Manometer. Um den Überdruck zu messen, wird das Ende des Druckmessers an einem Rohrstück befestigt, das aus dem Schutzraum herausführt. Das Röhrchen am Flüssigkeitsbehälter bleibt offen, weil der durch die Belüftungsanlage erzeugte Überdruck darauf wirkt. Der Überdruck läßt sich am Stand der Flüssigkeit in der Röhre ablesen.

Friedensnutzung und Instandhaltung [3][4][14]

Die anderweitige Nutzung eines Schutzbauwerkes in Friedenszeiten kann nur in einer Art erfolgen, die ein schnelles Räumen ermöglicht, damit es innerhalb kürzester Frist für Luftschutzzwecke einsatzbereit ist. Das Räumen und Herrichten darf nicht länger als 24 Stunden dauern.
Große Anlagen kann man in Friedenszeiten für kulturelle oder sportliche Zwecke, z. B. für kleine Kinoanlagen, Kegelbahnen, Tischtennisräume und dergleichen nutzen. Kleine Schutzbauwerke eignen sich als Versammlungsräume, Klubräume der FDJ oder anderer Organisationen. In Betrieben können sie als Umkleide- und Geräteräume oder ähnliches ausgenutzt werden.
Für Außenbauwerke lassen sich besonders im Städtebau gute ökonomische Lösungen finden, wenn man sie z. B. als Garagen ausbaut. Dadurch erreicht man einmal, daß eine kleinere Zahl von Kraftfahrzeugen untergebracht werden kann, zum anderen lassen sich diese Garagen schnell räumen und als Schutzbauwerk herrichten. Die Ein- und Ausfahrtöffnungen kann man in kürzester Zeit druck- und gassicher durch Fertigteile und Erdanschüttungen schließen.

Engstens verbunden mit der Friedensnutzung ist die Instandhaltung der Schutzbauwerke. Um diese Bauwerke, ihre spezielle Einrichtung und Ausrüstung vor Beschädigungen aller Art zu bewahren, sind die Eingangstüren stets verschlossen zu halten. Sie werden nur zum Reinigen und Durchlüften geöffnet. Bei den in Friedenszeiten anderweitig genutzten Schutzbauwerken sind bestimmte Personen für die Instandhaltung verantwortlich zu machen. Sie überprüfen laufend die Ausrüstung (Beleuchtung, Belüftungseinrichtung, Be- und Entwässerung usw.). Die Kontrolle erstreckt sich hauptsächlich auf die Reinheit der Luft und die gleichbleibende relative Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen.

Wie oft und wie lange der Schutzraum gelüftet werden muß, wird abhängig von der Temperatur und Feuchtigkeit in dem Schutzraum festgelegt, wobei die Temperatur und Feuchtigkeit der Außenluft berücksichtigt werden muß. Folgende Grundregeln sind zu berücksichtigen:
  • Im Winter (Dezember - Februar) erfolgt die Lüftung des Schutzraumes zur wärmsten Tageszeit: 12.00 - 15.00 Uhr
  • Im Sommer (Juni - August) haben die Schutzräume gewöhnlich eine niedrigere Temperatur als die Außenluft. Deshalb muß in der Regel während der Nachtzeit gelüftet werden, wenn der Feuchtigkeitsgehalt der Außenluft gering ist: 0.00 - 6.00 Uhr
  • Im Herbst (September - November) erfolgt die Lüftung am günstigsten zwischen 12.00 und 18.00 Uhr
  • Im Frühjahr (März - Mai) erfolgt die Lüftung zwischen 7.00 und 11.00 Uhr oder 18.00 und 22.00 Uhr
Bei Temperaturen unter -20°C wird die Schutzanlage nicht gelüftet. Während einer Regenzeit bzw. danach darf nicht gelüftet werden.

Eine einfache Methode um festzustellen ob der Schutzraum gelüftet werden darf oder nicht, ist folgende:
In die kälteste Ecke des Schutzraumes muß ständig eine Flasche, gefüllt mit Wasser, auf den Fußboden gestellt werden. Soll gelüftet werden, trägt man die Flasche ins Freie, stellt sie in den Schatten. Wenn die Flasche sich nach 1 - 2 Minuten nicht mit Tau bedeckt, kann gelüftet werden; bildet sich Tau, ist nicht zu lüften.

In regelmäßigen Abständen ist weiterhin zu prüfen, ob das Schutzbauwerk vollkommen gasdicht ist. Um Beschädigungen an den Gummidichtungen vorzubeugen und ihre Lebendauer zu verlängern, sind die gasdichten Türen und Klappen möglichst offen zu halten. Durch Gitter- oder Brettertüren ist der Zutritt Unbefugter zu unterbinden.

Quellen

Die Anregung für dieses Thema: gefunden bei www.untergrund-brandenburg.de

[1] Deim, Kampe, Schubert: "Die militärische Sicherheit der DDR im Kalten Krieg", Verlag Dr. E. Meißler, Hönow b. Berlin 2008
[2] Bergner: "Programm Delphin", Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis/Meiningen 2007
[3] Moskalow, Sinizin, Tertischni: "Lehrbuch über den Luftschutz", Verlag des Ministeriums des Innern, Berlin-Wilhelmsruh 1959
[4] Meyer: "Schutzbauwerke", Verlag des Ministeriums des Innern, Berlin 1961
[5] Meyer: "Mittel und Methoden des Schutzes gegen Massenvernichtungsmittel - Baulicher Schutz", Deutscher Militärverlag, Berlin 1965
[6] Langhans: "Mittel und Methoden des Schutzes gegen Massenvernichtungsmittel - Kernwaffenwirkungen und Schutzmöglichkeiten", Deutscher Militärverlag, Berlin 1965
[7] Braun: "Standortplanung, Raumauswahl, konstruktive und funktionelle Forderungen für Schutzräume", Institut für Aus- und Weiterbildung im Bauwesen, Leipzig 1981
[8] Braun: "Schutzbauten der Zivilverteidigung - Grundlagen", Institut für Aus- und Weiterbildung im Bauwesen, Leipzig 1984
[9] Papke: "Handbuch Industrieprojektierung", VEB Verlag Technik, Berlin 1983
[10] Neuber: "Geschützte Unterbringung der Werktätigen", Militärverlag der DDR, Berlin 1987
[11] VEB Typenprojektierung: "Typenkatalog für Schutzbauwerke", Berlin 1962
[12] VEB Spezialbau Potsdam: "Richtlinie für die bautechnische Projektierung von Trümmer- und Strahlenschutzräumen", Berlin 1977
[13] Bauakademie der DDR: "Schutzbauten Zivilverteidigung - Katalog U 8208 RSS", Berlin 1982
[14] Schreiben der BDVP Dresden, Abt. Luftschutz vom 20.03.1963